Der Proust-Effekt

Kein anderes Sinnesorgan scheint unser Gedächtnis so zu stimulieren wie unser Geruchssinn. Erinnerungen aus ferner Vergangenheit werden mit nur einem einzigen Duft wachgerufen und erscheinen uns so lebendig als wäre es erst gestern gewesen. Dieses Phänomen nennt man den Proust-Effekt, benannt nach dem französischen Schriftsteller und Dichter Marcel Proust. In seinem Roman “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” tauchen beim Protagonisten durch den Geruch frischgebackener Madeleines (ein muschelförmiges Kleingebäck mit dem Geschmack von Rum und Zitrone) plötzlich längst verloren geglaubte Kindheitserinnerungen wieder auf. Der Autor selbst soll solch einen Moment in seinem Leben gehabt haben und übertrug diese Erfahrung kurzerhand auf seine Romanfigur. Der beschriebene Detailreichtum dieser Erinnerung zeigt auf welche immense Wirkung ein einziger Duft haben kann.

Marcel Proust hat durch seinen Roman viele Wissenschaftler dazu inspiriert dieses Phänomen in diversen Experimenten zu erforschen. Die niederländische Wissenschaftlerin Marieke Toffolo der Universität Utrecht führte eine Untersuchung durch bei der die Testpersonen in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt wurden. Alle drei Gruppen sollten sich eine äußerst brutale und gewalttätige Dokumentation anschauen. Währenddessen wurde im Raum von Gruppe A der Duft von Cassisblüte versprüht, auf Gruppe B wirkten verschiedene Lichter ein und Gruppe C wurde den Klängen rhythmischer Musik ausgesetzt. Eine Woche später  traten die drei Gruppen erneut an und sollten versuchen sich an die Dokumentation zu erinnern während sie diesmal nur dem Duft, den Lichtern und der Musik ausgesetzt wurden. Die Auswertung zeigte, dass Gruppe A sich nicht nur an mehr Details der Doku erinnern konnte, sondern diese auch als nervenaufreibender empfand als Gruppe C. Gerüche lösen also anscheinend stärkere Emotionen und Erinnerungen aus.

Die Beobachtung der Gehirnaktivität durch einen Kernspintomographen ergab, dass bei dem Vorgang des Riechens und Erinnerns der Hippocampus (beteiligt am Gedächtnis) und der Amygdale (beteiligt am Gefühl) gleichzeitig aktiv sind. Dies könnte eine Erklärung sein warum wir uns anhand von Geruchsinformationen an viele Details erinnern können und dabei gleichzeitig eine emotionale Ebene durch die Erinnerung angesprochen wird.

29.10.12 // Autor: Hanna // Veröffentlicht in: Parfum

Hinterlasse eine Antwort

ÄHNLICHE ARTIKEL

Blogger-Adventskalender: Tag 12

Weiter geht es mit Honey and Milk und Trace:   Trace ist ein Bücherwurm, Schuh- und Taschenliebhaberin und hat ein Auto namens Hank. Wie riecht Weihnachten für dich? „Da in meiner Familie alle verr...

Das Fotografiemuseum “Fotografiska” in Stockholm

  Das Laub liegt auf den Straßen, die Kälte hält Einzug, der Winter naht… die Zeit für Innenschau beginnt. Wer sich die Inspiration dafür gerne in Museen holt, dem sei das “Fotografisk...

EINZIGARTIGER! Messe

  Wer sind eigentlich die Menschen hinter einem Onlineshop? Wie duftet asiatischer Lotus als reine Duftessenz? MyParfum lädt alle seine Kunden, Interessierte, Parfumliebhaber und Fans individueller Produk...

Das Flakon im Wandel der Zeit

Einen wichtigen Bestandteil des Parfums bildet der Flakon, denn Inhalt und Form stehen oft in direktem Zusammenhang. Die Wahrnehmung unterscheidet sich je nach Flakon und das trotz des selben Parfums. Schon...
Haben Sie Fragen? Wir helfen weiter und beraten Sie gerne! 0800 1 750 750(Mo-Fr 9-18 Uhr) mail@myparfum.de